Frage 21: Du sagst: "Die suchende Person verschwindet. Was bleibt, ist die Einheit. Es ist DAS, was Du bist und immer warst." Ist das gleichbedeutend wie: Ich bin kein Mensch?
Oliver: Das göttliche Spiel, die Illusion des Mensch-Seins taucht, wenn Du so willst, aus dem Sein auf. Das was Du wirklich bist, das EINE, ist der Grundton der ewigen Symphonie, und der Mensch ist darin eine unter vielen Melodien. Manchmal harmonisch, manchmal dissonant, aber immer untrennbar mit dem Grundton verbunden.
Frage 22: Glaubst Du, dass Du (nur) dieser Körper/Verstand-Organismus bist, der zur Gattung Mensch gehört, oder definierst Du Dich über das namen- und formlose reine Gewahrsein?
Oliver: Da ist nichts mehr, das sich mit etwas identifiziert bzw. etwas definieren muss. Da ist nur unpersönliches Wissen. Fraglose Klarheit. Gewahrsein. Sein. Alles, was auftaucht, ist DAS. Ob es nun Olivers Körper ist oder, von mir aus, ein Glas Bier. Es ist das EINE. Wie die Blume in Buddhas Hand, die, als er sie wortlos seinen Begleitern zeigte, von Mahakassapa als das EINE erkannt wurde. Buddha hätte irgend etwas hochhalten können. Mahakassapa hätte verstanden.
Frage 23: Erkennst Du Dich auch in den Wellen (Person), welche IM Ozean erscheinen?
Oliver: Lass es mich so sagen: Die Wellen sind so wie eh und je. Sie werden wahrgenommen, aber nicht vom Ozean und nicht von einer Person (Welle). Der Ozean erkennt die Wellen nicht als einen Teil von sich, denn dies ist ja nur ein Konzept, und die Wellen sind nicht verschieden vom Ozean. Sie werden gewissermassen von "niemandem" wahrgenommen. Man kann sagen, dass absolute Wahrnehmung geschieht. Solche, die kein Subjekt und kein Objekt erfordert.
Schau: Die duale Welt (= Wellen, zu der auch menschliche Körper und Trennungsgedanken gehören), die gemäss diesem Konzept scheinbar aus dem EINEN (Ozean) aufsteigt, ist in jedem Augenblick vollkommen. Sie kann nicht anders als vollkommen sein. Niemand ist da, der einen Einfluss darauf haben könnte, was wem geschieht. Diese duale Welt geschieht einfach, ob sich eine Welle als Person definiert oder nicht ist irrelevant. Es gibt also keine Person mit einem freien Willen. Nur der Trennungsgedanke denkt, es sei so und personifiziert gewissermassen die Welle und trennt sie so scheinbar von anderen Wellen. Der Ozean identifiziert sich nicht mit den Wellen. Er lässt sie Wellen sein und IST einfach nur. Nichts ist also je geschehen. Die Illusion ist zu Ende, denn sie hat gar nie begonnen.
Frage 24: Was empfiehlst Du einer Person, die ein unruhiges Bewusstsein hat, zu tun?
Oliver: Mit einem "unruhigen Bewusstsein" meinst Du wahrscheinlich, dass die Person viel denkt und träumt und dass sie vielleicht starke, sogenannt "negative" Emotionen hat wie etwa Ärger, Wut, Minderwertigkeitskomplexe, Angst, Schuldgefühle usw. Einer solchen Person würde ich Folgendes sagen:
Da Du fragst, was Du tun sollst, scheinst Du das "unruhige Bewusstsein" loswerden zu wollen, sonst würdest Du nicht fragen. Es stört Dich, wenn Du so bist. Du möchtest anders sein. Du hältst wahrscheinlich ein "ruhiges Bewusstsein", oder besser, eine ruhige Wesensart (Konditionierung, Charakter) für irgendwie besser. Du denkst vielleicht, dass Du glücklicher bist, wenn Du weniger denkst und träumst, oder wenn Du emotional gefasster und kontrollierter bist. Du verbindest also gedanklich Glück automatisch mit gewissen Bedingungen, die zuerst erfüllt sein müssen, um glücklich sein zu können. Ich sage Dir aber, dass unvorstellbares Glück und unendlicher Friede genau jetzt in diesem Moment da sind! Sie sind nicht verdeckt, sie sind auch nicht getrübt oder verschleiert, sie sind auch nicht tief irgendwo "in Dir", sondern sie sind GENAU DAS DA, WAS IST. Nichts ist je anders.
Ein dualistisch lehrender spiritueller Lebensberater würde Dir vielleicht sagen: "Du solltest meditieren, um Deine Gedanken zu beruhigen. Du solltest affirmieren und Dir so Deine Welt gestalten, so wie Du sie haben möchtest. Du solltest immer positiv denken, Liebe ausstrahlen, fest an das Gute glauben, fest daran glauben, dass Du der Schöpfer des Universums bist." Das ist gut so. Vielleicht wird Deine Konditionierung diese Ratschläge beherzigen, vielleicht auch nicht. Wenn Du Freude daran hast, wirst Du es wahrscheinlich machen. Es sind witzige magische Spielereien in der dualen Welt, die dem psycho-biologischen Apparat, Mensch genannt, vieles erleichtern. Du kannst mitspielen oder nicht. Ob Du mitspielst oder nicht, liegt nicht in Deiner Hand. Niemand hat einen Einfluss darauf, da der Film bereits abgedreht ist. DAS was Du bist, bleibt sowieso unverändert. Das, was Du WIRKLICH bist, das Sein, das nicht getrennt ist von dem "unruhigen Bewusstsein", nicht getrennt ist vom Gedanken "Ich muss etwas tun, um mein unruhiges Bewusstsein loszuwerden", ist IMMER da. Unvorstellbares Glück und unendlicher Friede heisst, zu akzeptieren, dass nichts getan werden muss. Dass das Geschenk immer da ist. Es heisst gewissermassen, sich in die Person, die das Glück sucht und meint, etwas tun zu müssen, zu verlieben. Die Person ist so, weil sie halt eben so ist, wie sie ist. Sie IST das Gesuchte und verschwindet mit der Akzeptanz dieser Tatsache. Dann wird niemanden mehr das "unruhige Bewusstsein" stören. Es wird zu unvorstellbarem Glück und unendlichem Frieden, was es schon immer war.
Frage 25: Wenn Bewusstsein das einzige ist, was ist, dann frage ich mich, mit wem z.B. ein Karl Renz Selbstgespräche führt?
Oliver: Wenn nur das EINE (das Selbst, das Sein) ist, dann ist natürlich auch Karl Renz, seine Selbstgespräche, Deine Frage dazu, Deine Verwunderung darüber und meine Antwort hier das EINE. Diese Frage-Antwort-Situation taucht gewissermassen als EIN raum- und zeitloses Ereignis aus dem EINEN auf. Das ist natürlich nur wieder ein Konzept, aber auch das Konzept ist das EINE. Es ist wie der Spiegel beim Friseur, der Deinen Kopf unendlich oft spiegelt. Alles fällt schliesslich auf das EINE zurück. Und auch das Zurückfallen ist das EINE...