Frage 46: Oliver, mein indischer Guru sagt: Europäer und Amerikaner sind von Grund aus gierig... auf Beutefang. Wer nicht zuerst direkt von VEDA (WISSEN) belehrt wird, versteht Advaita Vedanta nicht. Übrigens mein Guru uralter vedischer Tradition reagiert sehr gereizt, wenn jemand sagt: "Hier ist Niemand." Was sagst Du dazu?

Oliver: Ich kann mich sehr gut in Deinen Guru einfühlen. Er wurde jahrelang in seiner jahrtausendealten Tradition erzogen (vielleicht sogar gedrillt) und dann kommen die ignoranten Westler (die gierigen Imperialisten, die ja sowieso mal Indien besetzt hielten...) und verwässern ihm seine Tradition auch noch, die ihm wichtig ist, indem sie (heilige?) Sanskritwörter missbrauchen.
Das Problem am Ganzen ist wahrscheinlich, dass es im Westen noch keine sinnvollen Alternativbegriffe für diese Art von "Wahrheitsvermittlung" gibt. Wenn Du in eine Buchhandlung oder ins Internet gehst, findest Du Tony Parsons und Co. unter der Rubrik oder unter dem Suchwort "Satsang" bzw. "Advaita". Dies ist der EINZIGE Grund, weshalb diese Website "Satsang.ch" heisst. Du und viele andere Suchende hätten sie sonst wahrscheinlich gar nie in den Weiten des Internet gefunden.
Zum Konzept "Hier ist Niemand": Es ist diese Aussage westlicher "Hardcore-Nondualisten", die in mir persönlich eine grosse Resonanz ausgelöst hat und mir das grösste Vertrauen geben konnte, während ich mit "heiligen Schriften" wie Bibel, Bhagavad Gita oder Upanishaden einfach nie richtig warm wurde. Die Kernaussagen sind mir viel zu verwässert und es sind mir viel zu viele Wörter und Umschreibungen. Ich wollte die "Faust der Wahrheit" lieber voll ins Gesicht und mir nicht 1000 Leben lang meinen Verstand mit indischen Verse füllen lassen. Jaja, so sind wir Westler eben :-) Jeder Mensch ist anders konditioniert worden.
Natürlich ist mir heute die Kernaussage dieser Schriften klar, aber nur, weil der Verstand nun nicht mehr dazwischenfunkt. Der ganze Umweg über heilige Schriften und Meditation war für mich vollkommen unnötig. Mit dem Erwachen war augenblicklich Klarheit und permanente Stille da. Der Fokus ist immer auf den Kern der Wahrheit gerichtet, so wie die Hand des Meisters permanent auf den Mond zeigt, seine Schüler aber die Hand studieren...

Frage 47: Oliver, bitte gehe unbedingt nochmal auf die Wahrheit "mit dem Auftauchen der Antwort fällt die Identifikation weg" ein (Deine absolut klasse Antwort auf Frage 15, danke dafür!) . Wie kann das "identifizierte ICH" am schnellsten verschwinden, damit die Antwort auftaucht? Wie läßt das ICH vertrauensvoll von sich aus los? Ist es die Angst vor dem Sterben? Muss es freiwillig absterben? Bitte gib uns eine Metapher.

Oliver: Das Wort, das ich Dir geben möchte, ist "Entspannung". Nimm es locker. Du musst und Du kannst NICHTS tun (siehe auch -->Frage 44). Du musst nicht loslassen und nicht sterben, ja nicht einmal entspannt sein (klingt wieder mal paradox). Vertraue in meine Worte, dass nichts geändert werden muss. Trage zum Beispiel bei allem, was Du tust, ein Gefühl in Dir, das Du unbewusst noch gut kennst, ein Gefühl aus der Zeit, wo Du noch als Baby in der Wiege lagst. Eine Art unbedingtes Vertrauen, dass alles, was ist, vollkommen ist (auch die konditionierten Handlungen und Gewohnheiten "Deines" Körper-Verstandes, wie unspirituell und lästig sie auch immer sein mögen). Freunde Dich z.B. auch mit dem Konzept an, dass der freie Wille - absolut gesehen - eine Illusion ist. Dass das, was Du für Dich hältst, eine Feder im Wind ist, eine Welle im Ozean, eine Lilie auf dem Felde (jaja, schon andere versuchten, dies zu erklären und scheiterten kläglich... :-). Viel Glück!

Frage 48: Oliver, warum werden wir von Madhukar u.a. mit unnötigem Entertainment von unserer Freiheit weggerückt? Wie sollen wir von einem Fahrlehrer Autofahren lernen, der noch nicht darauf gekommen ist, daß das Auto von alleine fährt?

Oliver: Nun, mit dem gleichen Argument könnte ich sagen, dass Du mit vielen unnötigen Wörtern dieser meiner unnötigen Website von Deiner Freiheit weggerückt wirst ;-) Du musst nichts lernen, um das zu werden, was Du schon bist. Lernen ist gut für den Verstand und der hat - nur hier - nichts verloren.
Es ist so, dass es anscheinend in der Natur dieses psychosomatischen Apparates Mensch liegt, irgend etwas tun zu müsen, da er sonst vermutlich sterben oder in seiner Funktion stark beeinträchtigt würde. Wenn keine Identifikation mehr da ist, wird er am ehesten das tun, was er gerne tun, sich gewohnt ist und am besten kann. In meinem Fall treffe ich unter anderem Leute im Kaffee zu Satsang und betreibe diese Webseite. Nondual würde ich das so formulieren: Kaffeehaus-Satsang und Website geschehen einfach. Sie tauchen auf aus der Einheit, die Du bist und sind deswegen auch Einheit.
Madhukar - ich kenne ihn nicht näher, habe aber etwas nachgeforscht - ist vollkommen anders konditioniert als ich und sein Satsang ist dementsprechend. Inhaltlich ist natürlich kein Unterschied und er und ich wissen, dass nicht getan werden muss, um das zu werden, was man schon ist. Wir schaffen mit unserer unterschiedlichen Art Raum für viele Möglichkeiten, wo plötzlich Suchende die Aussage, dass eine Suche unnötig ist, akzeptieren können und die Identifikation abfällt. Weshalb wir das machen? Nun, es taucht einfach auf. Dass ich hier Deine Fragen beantworte, obwohl ich in Dir nur Einheit sehe, die ich bin, ist das göttliche Spiel des Lebens.
Kurzum: Hast Du was gegen Yoga, Meditation und Indienreisen kommst Du wahrscheinlich zu mir auf die Website oder zum Kaffee trinken und gehst nicht zu Madhukar, und falls Du lieber was anderes machst, z.B. Briefmarken sammeln, dann machst Du eben das. Es ist vollkommen. Da ist nichts anderes.

Frage 49: Oliver, ich habe diese Nacht von Dir geträumt. Kann aber Oliver von mir träumen?

Oliver: Träume tauchen auf wie eh und je. Wie Gedanken. Also kann Oliver theoretisch von Dir träumen. Ob er sich erinnern kann oder nicht ist eine andere Frage. Auch weiss er nicht, welches Gesicht sich hinter dieser Frage verbirgt, das sich in seiner Traumwelt manifestieren könnte, während Du sein Gesicht auf Satsang.ch sehen kannst :-)
Zusatzfrage zur Frage 49: Ist Oliver nicht ein Objekt im Bewusstsein? Falls ja, wie kann ein Gedanke von anderen Objekten träumen?
Oliver:
Sind Träume konzeptuell anders als Gedanken? Nein, Du kannst sie nicht trennen. Die Körper-Verstand-Einheit (= Gedankenform) namens Oliver taucht genauso wie jeder Gedanke und somit jeder Traum (scheinbar) aus der Einheit auf. Doch die Einheit ist auch Oliver, in dem alle Träume und Gedanken, alle Konzepte, alle Fragen und Antworten geschehen. Im illusionären Spiel der Dualität wird geträumt und gedacht, in der Einheit gehen Traum, Träumer und Traumobjekt ineinander auf.

Frage 50: Oliver, sind Beziehungen mit einem (am besten mit beiden!) essentiell verwirklichten Partnern im Vergleich zu "normalen" Beziehungen im Vorteil, weil Einheit eh alles akzeptiert, wie es ist und weil quasi der "wissende" Partner immer nachgibt?

Oliver: Einheit akzeptiert alles, Menschen nicht. Einheit kann keine Beziehungen eingehen, Menschen schon. Man könnte generell sagen, dass mit dem Erlöschen der persönlichen Identifikation mehr Ehrlichkeit und Authentizität da ist, da der Faktor Angst keine dominierende Rolle mehr spielt. Dies kann auf eine Beziehung natürlich unterschiedliche Auswirkungen haben.
Nehmen wir an, Du liebst Spaghetti und verabscheust Blumenkohl. Du bist also darauf konditioniert worden. Dann wirst Du vermutlich Dein Leben lang bei dieser Vorliebe bleiben, falls es die äusseren Umstände erlauben. Genauso wirst Du generell die Nähe zu Menschen bevorzugen, zu denen Du Dich angezogen fühlst (wo die "Chemie" stimmt) und mit ihnen eine Beziehung eingehen.
Gewaltlosigkeit hat im Übrigen nichts mit Willenlosigkeit zu tun. "Die andere Wange hinhalten, wenn Du auf die eine Wange geschlagen wirst" (= DIE christliche Metapher für Gewaltlosigkeit) heisst, dass das, was auftaucht, willkommen geheissen und von niemandem beurteilt wird (auch wenn es eine Gegenohrfeige ist...). Was auch immer geschieht, was auch immer für Handlungen auftauchen: es ist vollkommen. Es geschieht in vollkommener urteilsloser Liebe und Einheit.
Zusatzfrage zur Frage 50: Oliver, wie können wir die Ozean-Metapher auf die Frage 50 anwenden? Was ist der Ozean, wer sind die Wellen?
Oliver:
Der Ozean ist Einheit, die Wellen sind Formen der dualen Welt, also auch Menschen, bestehend aus Gedanken und Körpern (= Gedankenformen). Eine einzelne Welle hat keinen Einfluss darauf, wie sie beschaffen ist und wie sie sich verhalten wird (ob sie Spaghetti oder Blumenkohl lieber hat, von welcher anderer Welle sie sich angezogen fühlt etc.). Wenn sie aber denkt, sie sei getrennt (= Identifikation mit einer Person) von den anderen Wellen und vom Ozean, akzeptiert sie diese Tatsache nicht. Sie hat sie das Gefühl, die Handelnde mit einem freien Willen zu sein. Sie wird jeweils - metaphorisch gesprochen - den physikalischen Gesetzen gehorchend (= Konditionierung) mit anderen Wellen interagieren und sich mit ihnen verbinden (= Beziehungen eingehen), wieder aufgespalten werden (= Trennung einer Beziehung), verschwinden (= Tod) oder neu entstehen (= Geburt). Dies alles geschieht im Ozean. Es IST der Ozean, das, was Du, die Welle, im Grunde bist. Das SEIN.

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