Frage 56: Oliver, vermittelt uns Andrew Cohen auch die Wahrheit? Unseres Ermessens holt er etwas aus, bleibt aber eng am Kern. Siehst Du Parallelen zu Deinem persönlichen Lehrstil?

Oliver: Wahrheit kann nicht vermittelt werden. Alles, was geschieht, geschieht in der zeit- und raumlosen Einheit, so auch Andrew Cohen und seine Lehre. Sie sind nicht getrennt von Euch und von mir. Was auch immer er Euch sagt, was Ihr tun sollt oder nicht, um Befreiung zu erlangen, ist genau DAS, was auftaucht und es ist somit perfekt. Es ist DAS. Wenn Ihr Freude an seinen Worten habt und ihm vertraut, wird dies Euer Weg bzw. der Weg des psychosomatischen Apparates, für den Ihr Euch hält, sein. Ansonsten werdet Ihr Euch einen anderen Lehrer suchen oder den Bettel hinwerfen, weil Ihr von alledem genug habt (= mein bescheidener Vorschlag :-). Alles ist der Film des Lebens, der IN EUCH, in der Einheit, auftaucht. Es spielt keine Rolle, was Andrew Cohen sagt. Er kann nicht mehr oder weniger aus Euch machen, als das, was Ihr schon seid. Einheit. Mit der (scheinbaren) Befreiung des Andrew Cohen seid auch Ihr befreit worden. Ob ihr zu Andrew Cohen, zu mir oder ins Kino geht, es ist in jedem Moment genau DAS da, was ihr sucht.

Frage 57: Oliver, mein indischer Guru sagt: "Du bist Liebe." Okay, sage ich, dann bin ich ja auch Neid und Hass! Das hat ihm aber gar nicht gefallen. Was sagst du als anerkannter Satsang-Lehrer dazu?

Oliver: Meine Antwort als "anerkannter Satsang-Lehrer" kommt direkt vom gesunden Menschenverstand (ja, der Verstand hat im täglichen Leben durchaus eine Funktion):
Wenn Dein Guru dualistisch lehrt (Deine Frage deutet darauf hin) und sein Konzept besagt, dass DAS, was Du wirklich bist, Liebe ist (= das "wahre Selbst"), dann stellen Neid und Hass (= zwei Todsünden) den Gegenpol dazu dar, also das, dem es seinem Konzept gemäss zu entsagen gilt. Dein Guru möchte Dir mit diesem Konzept helfen, ein liebevoller, "besserer" Mensch zu werden (Religionen möchten dies im Übrigen auch von ihren Mitgliedern). Es ist also eine Art geistige Umschulung, die Dir Dein Guru anbietet.
Wenn Du nun mit nondualistischen Argumenten kommst, führt das zu nichts. Das ist so, wie wenn ein Katholik versuchte, mit seinen Gedankenspielen den Papst vom Katholizismus abzubringen. Natürlich bist Du, wenn alles eins ist (= Axiom des Nondualismus) auch Neid und Hass. Du bist auch Spaghetti. Na und? Darum geht es ja nicht. Dein Guru möchte Dir mit seiner Aussage ein Geschenk machen und Du lehnst es ab, indem Du ihn mit nondualistischen Gedankenkonzepten in Frage stellst. Kein Wunder gefällt ihm das nicht, da er sieht, dass Du bei ihm am falschen Ort bist. Das ist das Spiel des Lebens und Du hast soeben gegen die Spielregeln Deines Gurus verstossen. Na und? :-)
Zusatzfrage zur Frage 57: Oliver, was lehrt dieser indische Guru überhaupt? Faktisch läßt sich das Selbst doch gar nicht auf LIEBE stylen. Es wechselt unwillkürlich seine Laune, oder? Bei mir hat heute abend die WUT das Glas im Spülbecken zum Zerschmettern gebracht. Ich weiß nicht, wo die Liebe gerade war :-((
Oliver:
Liebe war und ist immer Einheit, die sich - meinem Konzept gemäss - in Deinem Fall in Form eines durch Dein Temperament zerbrochenen Glases manifestierte... Liebe ist das, was Du bist, in jedem Moment. Liebe ist der Ozean der Einheit, der Du bist, unabhängig wie hoch die Wellen (Emotionen wie Wut, Traurigkeit etc.) sind.
Du bist, wie die meisten Menschen, stark auf die Emotionen des psychosomatischen Apparates fixiert, die Du als "ich" bzw. "mein Körper" oder "mein Charakter" wahrnimmst. Dein Guru scheint zu lehren (oder bei Dir kommt es zumindest so an), dass Du nur erwachen kannst, wenn Du diese Emotionen in den Griff kriegst und liebevoll wirst. Das macht Dich wütend, weil Deine Konditionierung offensichtlich recht temperamentvoll ist und Du somit vom Ideal des sanftmütigen erleuchteten Weisen abweichst, das Dein Verstand sich erschaffen hat. Doch dieses Ideal zu erreichen ist weder möglich, noch nötig. Du kannst zwar jahrelang versuchen, sanftmütig und liebevoll zu werden, also deine Konditionierung zu ändern. Vielleicht gelingt es Dir dauerhaft, vielleicht auch nicht. Doch das hat nichts mit Erwachen und Befreiung zu tun, sondern ist der Versuch, die duale Welt zu verbessern und zu kontrollieren, was Religionen seit Jahrtausenden versuchen. Es ist eine Kontrolle des Verstandes über den Körper und die Gedanken, also - wie bereits oben erwähnt - eine geistige Übung. Du kannst auch jahrelang Briefmarken sammeln; in beiden Fällen bist und bleibst Du der Ozean (Liebe).

Frage 58: Oliver, du stellst meinen liebenswürdigen Guru (Brahmane) in Frage! Er ist kein Schokoladenverkäufer. Er würde niemals sagen, alles ist Eins... oder IST = SOLL. Er sagt, Du bist DAS und meine Wirklichkeit als Mensch ist DAS.

Oliver: Nun, jeder Lehrer, Meister oder Guru - ob Brahmane, Buddhist, Christ oder Muslim - ist in gewisser Weise ein Schokoladenverkäufer (wunderschöne Metapher :-) Ich bin ebenfalls einer. Wir versuchen Euch mit liebevollen Worten das Mysterium zu verkaufen, dass eine Suche nach Erleuchtung (Schokolade!) unnötig ist. Dass ihr bereits Schokolade seid. Wir sind also schlechte Verkäufer, da wir Euch gar nichts verkaufen. Wir sehen, dass Ihr schon alles habt und sagen Euch das. Voilà! Der eine tut es dualistisch, der andere nondualistisch. Jeder, wie er es gelernt hat und es am besten kann. Es spielt keine Rolle, mit welcher Hand der Meister auf den Mond zeigt und wie diese Hand beschaffen ist; ob sie gross oder klein, dick oder dünn, glatt oder haarig, sauber oder schmutzig ist. Die Hand ist unwichtig. Es zählt nur der Mond.

Frage 59: Oliver, kannst Du bitte die folgende Frage mit Deinen Worten interpretieren: "Gibt es ein Leben nach dem Tod? Gibt es erst nach dem Tod ein wahres Leben?"

Oliver: Wer ist es, der diese Frage stellt? Es ist der eine Gedanke: "Ich bin ein von anderen Körpern getrennter Körper in einer Welt von linearer Zeit und Raum." Es ist, metaphorisch gesprochen, die Welle, die sich von anderen Wellen und vom Ozean getrennt fühlt. Wenn dieser Gedanke und mit ihm das Gefühl des Getrenntseins stirbt, verschwindet auch das Gefühl von Raum, Zeit, Leben und Tod.
Durch den Tod des Trennungsgedankens (= das, was früher mit "ICH" gleichgesetzt wurde) bleibt ein Grundgefühl von Existenz. Dieses Gefühl kann mit Einheit, mit Sein beschrieben werden. Doch es ist unpersönlich, deshalb auch meine für den analytischen Verstand verwirrende Aussage, dass niemand da ist, der irgend etwas tut bzw. dem irgend etwas geschieht. In dieser Einheit taucht der Zyklus Leben-Tod auf, so wie alles einfach auftaucht und wieder verschwindet.
Die Vorstellung von "Leben", "Tod", "Leben nach dem Tod", "Wiedergeburt" oder was auch immer sind also im Grunde bloss gedankliche Konzepte dieses getrennten Ichs. Das getrennte Ich möchte irgendwann dort ankommen, wo es kein Leid mehr gibt: im Himmel zum Beispiel, im Paradies, im Nirvana oder in der Ewigkeit. Dass aber dieser Himmel bereits JETZT da ist, kann es nie erfahren, auch wenn es millionenmal wiedergeboren wird. Der Himmel ist nicht von jemandem erfahrbar. Er IST einfach, und zwar immer JETZT.
Zusatzfrage zur Frage 59: Oliver, wann ist Deines Erachtens bei Ramana Maharshi die ICH-Identifikation "gestorben"? Unmittelbar mit dem Erleben seiner persönlichen Todes-Simulation oder in den Jahren des Rückzuges und Versenkung?
Oliver:
In dem Augenblick, als Ramana Maharshi erwachte, er also während der "Todes-Simulation" realisierte, dass das, was er wirklich ist, das wahre Selbst (so nannte er das Sein, die Einheit) ist, starb auch die ICH-Identifikation. Was danach kam, kann vom Verstand gedeutet werden wie es will: Es ist der Weg der konditionierten "Körper-Verstand-Einheit", die sich zum heiligen Berg Arunachala in Südindien, zu dem es Ramana hinzog, begab. Seine Konditionierung wählte den Rückzug und die Versenkung und nahm den Tod des Körpers in Kauf, welcher ja bekanntlich von beherzten Yogis verhindert wurde.

Frage 60: Oliver, ich bin ein Opfer geworden von maya (= Welt der Illusionen). Meine Frau (eine Sinneswahrnehmung wie ich) fühlt sich vernachlässigt von mir und will sich scheiden lassen. Was kann ich tun und wie bekomme ich die Geschichte und die Bilder im Kopf wieder in Harmonie? Man sagt ja, dass alles im Kopf stattfindet und nicht draussen.

Oliver: Wenn Du meine Seiten bisher aufmerksam gelesen hast, dann weisst Du, dass Du im Kopf nichts in Harmonie zu bringen brauchst, da Harmonie bereits jetzt da ist, auch wenn es Dir vielleicht im Moment nicht so scheint. Diese vollkommene Harmonie (= Einheit) hat nichts mit den Bewertungen des Verstandes von "richtig" oder "falsch" zu tun. Vollkommene Harmonie ist immer DAS, was auftaucht, in jedem Moment. Der jetzige Moment kann gar nicht anders sein, sonst wäre er nicht der jetzige Moment. Mein Konzept für Dich ist: Jede Situation in dieser dualen Welt manifestiert sich (scheinbar) IN Dir, dem Sein. Also in DEM, was Du wirklich bist. Kein Teil einer Situation ist jemals getrennt vom anderen. Du, deine Frau, ich, meine Worte, Deine Vorstellung von Harmonie und das Gefühl von Vernachlässigung Deiner Frau sind eins, untrennbar verbunden. Sie tauchen scheinbar im zeit- und raumlosen Sein auf. Grundlos. Ursachlos.
Du fragst, was Du (relativ gesehen) tun kannst. Nun, ihr könnt die Spielregeln der dualistischen "maya-Welt" (= scheinbares Universum) anwenden und handeln, indem ihr z.B. bei einer Fachperson eine Paartherapie macht. Oder Du kannst z.B. das universale Gesetz der Anziehung nutzen, indem Du im Kopf alle Vorstellungen, wie Dein Leben sein sollte, um von Dir als harmonisch empfunden zu werden, über Bord wirfst und versuchst, ein allgemeines Grundgefühl von ursachlosem Wohlbefinden in Dir zu tragen, um das sich Dein Universum neu erschaffen wird. Oder Du kannst andere Techniken von "Gehirnwäsche" anwenden, die Deine Konditionierung ändern. Ob diese Methoden allerdings den von Dir gewünschten "Erfolg" haben und Dich glücklich machen werden, hängt vom persönlichen Lebensfilm der Körper-Verstand-Einheit ab, für die Du Dich hältst. Und dieser Film ist bereits abgedreht.
Ich erlaube mir zum Schluss eine Bemerkung: All dies sind rein praktische Ratschläge für das Leben in der Dualität haben nichts mit Erwachen und Befreiung zu tun, worum es hier im Satsang geht, sondern mit (durchaus spannenden) Techniken, die Gedanken und somit das Universum zu kontrollieren und zu manipulieren. Darauf näher einzugehen würde den Rahmen dieser nondualistischen Webseite sprengen. Da gibt es haufenweise Bücher darüber.
Zusatzfrage eines anderen Fragestellers zur Frage 60: Oliver, hat das identifizierte "Ich" in einer solchen Krise überhaupt die Kraft, sich bereitwillig in Einheit aufzulösen? Sind Widerstand und Kampf nicht aussichtslos, wenn der "Film" eh bereits abgedreht ist?
Das kleine identifizierte "Ich" kann noch so viel Kraft aufwenden; es kann sich nicht selber auflösen. Das Verschwinden des winzigen Gedankens "ich bin ein getrenntes Wesen", worauf das kleine "Ich" gründet, benötigt so unendlich wenig Kraft, dass es sich der Verstand nicht einmal vorstellen kann. Wenn schon, dann wäre daher eine Krise eher hilfreich für ein "Loslassen" (manche Lehrer würden bei einer Krise von einem "Tor zur Erleuchtung" sprechen, doch diese Aussage kann zu Missverständnissen beim kleinen "Ich" führen, da es denken könnte, es müsse irgendwas tun, damit "ES" geschieht, z.B zuerst leiden und in einer Krise sein, was aber vollkommen unnötig ist).
Das Konzept "Der Film ist abgedreht" bedeutet, dass der Körper-Verstand-Komplex mit dem kleinen "Ich" in der Welt der Dualität immer so handeln wird, wie er es gelernt bzw. wie er seit Anbeginn des Universums konditioniert ist. Daher ist jeder Moment perfekt, da er nicht anders sein kann, und jede scheinbare Aktion (die jede ja auch immer ein einzelner Moment im zeitlosen JETZT ist) ist immer eine vorherbestimmte Reaktion auf vorhergehende Momente. Ob daher Widerstand und Kampf im Film auftauchen oder nicht, hängt dementsprechend auch damit zusammen. Doch all dies geschieht IM Sein, in der Einheit, dem wahren ICH, DEM, was Du wirklich bist. Aber nur scheinbar, da dies ja nur ein Konzept ist und gar nichts geschehen muss. Ihr müsst nicht geweckt werden, da ihr gar nicht schlaft.

Hier noch ein Kommentar eines Besuchers / einer Besucherin von Satsang.ch an den Absender von Frage 60:

"Wenn Du ernsthaft etwas "suchst", was es auch immer ist, dann findest Du es in OLIVERS Antworten. Lies sie MEHRMALS und vertraue ihm. Bitte. Es lohnt sich."

Kommentar von Oliver: Worte kann ich hinschreiben. Ob sie zu Vertrauen führen oder nicht ist Gnade.

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